Scanfehler / Bilderrätsel

A. Frackowiak
elke1 elke2 elke3 elke4 elke5 elke6
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Auflösung des Rätsels    (gepostet am 10.03.2001 in de.rec.fotografie):

Es wurde ein Agfa Ortho 25 Schwarzweissnegativfilm mit einem Nikon LS30 gescannt.

Der Agfa Ortho ist ein Film mit sehr hoher Auflösung (350 linien/mm) und sehr steiler Gradation (2-2,5, je nach Enwicklung auch mehr), der einen Dichteumfang von weit jenseits der 3 (Log D) hat. Benutzt wurde er früher zur Reproduktion von Strichvorlagen (in denen dann nur Schwarz und Weiss, aber keine Grautöne vorkommen). Der Film hat eine klare Trägerschicht. Leider wird der Film nicht mehr hergestellt.

Der Scanner kommt mit den hohen Kontrasten nicht klar, die hellen Stellen im Negativ (Die Dunklen im Positiv - Das Mädel) überstrahlen auf die dunkle Umgebung, bei Nr.3 anscheinend so stark, dass die CCDs so überfüllt sind, dass sich die Ladungen nicht schnell genug abbauen können, wodurch anscheinend die waagerechten Streifen links neben dem Mädel hervorgerufen wurden.

Was wurde nun bei den ersten 3 Bildern beim Scannern unterschiedlich gemacht ?
Die ersten drei Bilder wurden als Negative gescannt, wobei Nr: 1 die Analogverstärkung in Neutralstellung blieb, bei Nr. 2  die "Analogverstärkung" um 2 Lichtwerte erhöht wurde und bei Nr. 3 die Analogverstärkung um 2 Lichtwerte vermindet (gegenüber Nr 1). wurde. Es ist wirklich eine veränderung im analogen Bereiche gemacht worden, denn es ist nicht möglich, aus Nr 3 durch manipulation/optimierung der Bilddaten Nr: 2 herzustellen. Wers nicht glaubt möge es versuchen. Die Überstrahlung ist also wirklich im Analogteil (CCDs etc) aufgetreten.

Das Ergebnis überrascht, denn wenn die Analogverstärkung erhöht wird, so sollten helle Stellen (im Negativ) eigentlich noch heller überstrahlen (womit das Positiv noch dunkler hätte sein werden). Beweis: Nur 5. wurde als Diapositiv eingescannt (mit Analogverstärkung auf +2 LW) und danach in Photoshop invertiert. Anscheinend wird die Analogverstärkung vom Scanner oder Scansoftware beim Negativ ebenfalls invertiert. Der Rotstich der Negativscans könnte daher rühren, dass der Scanner vom einem Farbnegativ ausging, und dann versuchte, die dort normalerweise vorhandene orangene Trägerschicht wegzurechnen, wodurch es nach dem invertieren im Scanner wieder Orange wurde.

Um nun ein halbwegs optimales Scanergebnis zu erhalten (Bild Nr: 4), wurde als Diapositiv gescannt, keine Histogrammnpassungen bei der Scannersoftware vorgenommen, sondern alleinig über die veränderung der Analogverstärkung (-1,25 LW) versucht, dass das Histogramm bis ca. 90% des oberen Tonwertebreichs einnimmt, aber nicht an den Rand des Wertebereiches anstösst, damit Gesicht, Pulli noch Zeichnung haben, und noch differenziert werden.

Das Bild wurde dann in Photoshop invertiert, Tonwertumfang gespreizt, Helligkeit/Kontrast erhöht und die Farbe durch herunterregeln der Farbsättigung entfernt. Das Ergebnis (Bild Nr. 6) kommt nun dem früheren Papierabzu schon recht nahe.

Tja, durch jahrelanges Fotografieren nur noch mit Diamaterial hatte ich nicht mehr daran gedacht, dass es doch noch Negativmaterial gibt, welches einen deutlich höheren Dichteumfang als Diamaterial besitzt.

Andreas Frackowiak